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Philipp (Schwarzerd) Melanchthon PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Die zweite Generation von protestantischen Reformatoren
(Bretten, 16 Februar 1497  – Wittenberg, 19. April 1560)
Deutscher Humanist, Theologe und Professor an der Universität in Wittenberg. Der bedeutendste Mitarbeiter Luthers und sein inoffizieller Nachfolger. Wegen seiner Werke war er als Praeceptor Germaniae (Lehrmeister Deutschlands) bekannt. Autor der Augsburger Konfession (Confessio Augustana), die von der evangelisch-lutherischen Kirche offiziell als Glaubensbekenntnis angenommen wurde. Er schrieb auch das Werk Loci Communes, die erste systematische Darstellung der reformatorischen Theologie.
Melanchthon war  Flacius' Lehrer, Freund und Mäzen. Nach dem Augsburger und Leipziger Interim   begann  Flacius, ihn öffentlich  zu kritisieren,  weil ihre Einstellungen zu den  Adiaphora (nicht glaubensentscheidende Dinge) im kirchlichen Leben  unterschiedlich waren.

Melanchthon und  Flacius

Die Beziehung zwischen Flacius und Melanchthon  hat  Phasen der Freundschaft und der Unstimmigkeit durchlaufen.  Flacius war zuerst  Melanchthons  Schüler  in Wittenberg, und später sein Kollege. Melanchthon nahm sich seiner 1541 in Wittenberg an,  auf Empfehlung von  Camerarius und  Garbitius.  Flacius' Biograph Mijo Mirković behauptet,  Melanchthon habe den  jungen Flacius auch finanziell unterstützt, da dieser arm gewesen sei.  Im  Laufe seiner Wittenberger Jahre näherte sich Flacius immer mehr  Melanchthon, so dass sie sogar Freunde wurden. Melanchthon hat  1557 darüber Folgendes gesagt: «Einst  pflegte  ich  nahe Freundschaft  mit  Flacius»[1]

Der Beginn des Schmalkaldischen Krieges prägte das Leben in der Stadt   Wittenberg sehr stark: am 6. November 1546 wurde die Universität geschlossen, weil  die Truppen des Kurfürsten Moritz von Sachsen  die Stadt  belagert hatten.  Matthias und seine Frau  Elisabeth zogen als Flüchtlinge nach Braunschweig.  Melanchthon  verschaffte ihm  dort Arbeit, indem  er einen Empfehlungsbrief an Dr. Nikolaus Medler schickte (1502-1551), der zu dieser Zeit Superintendent in Braunschweig war. In seinem Brief an Medler schrieb Melanchton: «Zu Ihnen kommt der gelehrte  M. Illyricus, der den jenen Epiphanius aus Zypern, der fünf Sprachen sprach, nicht nur an  Sprachenkenntnis, sondern auch an seinen wissenschaftlichen Fähigkeiten übertrifft».[2]   Aufgrund dieses Empfehlungsbriefes hielt Flacius während seines Exils  Vorlesungen am Braunschweig Paedagogium. Im September 1547 wurde hier sein erster Sohn, Matthias Flacius der Jüngere,  geboren.
Das erste gedruckte Werk von Flacius De vocabulo fidei [3](über den Glaubensbegriff) enthält Melanchthons  Empfehlung und  ein Vorwort auf 14 Seiten, das dieser für seinen  jüngeren Kollegen am 1. März 1549 schrieb.[4]   Noch im selben Jahr, im August,  beklagte sich Melanchthon in einem  Brief an Fabricius, Flacius  habe  keine Dankbarkeit dafür  gezeigt, was Melanchthon  persönlich und die Universität  für  ihn  getan hätten. Flacius habe die Stadt Wittenberg verlassen, weil er die Stelle von Cruciger nicht bekommen habe, als dieser von der Universität weggegangen sei. [5] 
 
Flacius  respektierte den Praeceptor Germaniae als Lehrer und sein Werk Loci communes hielt er für eine  bedeutende wissenschaftliche Arbeit. Aber  Flacius' Respekt vor dem Lehrer  und vor seiner Arbeit wandelte sich später in  offene Kritik,  die in seinen Publikationen  zum Ausdruck kam.

Obwohl  zwischen Melanchthon und Flacius keine Übereinstimmung hinsichtlich des  Interims, der Frage der  Adiaphora und  der  Rolle vom  freien Willen des Menschen  bezüglich der Erlösung bestand, war ihre Übereinstimmung in der  Schlüsseldoktrin Luthers, der Rechtfertigungslehre, sehr bedeutend. Im Kampf gegen den Häretiker Andreas Osiander (1498-1552) und gegen die preußische Fraktion der Kirche standen sie  auf  der gleichen Seite. In diesem Streit  war Flacius eher Melanchthons Mitstreiter, als sein Feind. Augrund ihres Verhältnisses zur Rechtfertigungslehre, einer Doktrin «von der das Schicksal der Kirche  abhängt», wie die Lutheraner wohl sagen würden, lässt sich erkennen, dass sich die beiden  führenden lutherischen Theologen  im Kampf  gegen den gemeinsamen Feind  verbündet hatten.
Die Beziehung  zwischen  Melanchthon und Flacius kann als turbulent bezeichnet werden. Ihre Zusammenarbeit spielte sich auf mehreren Ebenen ab: es war eine wissenschaftliche, theologische, persönliche Zusammenarbeit, aber auch eine Beziehung  zwischen  Schriftsteller und Herausgeber.  Obwohl  die Unstimmigkeiten zwischen den beiden Männern lange dauerten, gab es auch positive Elemente in  ihrem Verhältnis. Dazu zählt z.B. ihre (meistens heimliche) Begeisterung für theologische Arbeiten, sowie Phasen aktiver Mitarbeit und Einigkeit. Nur einige Jahre vor seinem Tod beschrieb  Melanchthon diese  Beziehung  mit folgenden Worten:

Zwischen Flacius und mir  gab's  einst  eine liebe Freundschaft und Nähe, und wir diskutierten oft über das Doktrinensystem. Aber dann begann er, Dinge über mich  zu verbreiten,  die ich nie gesagt hatte und die mir nie in den Sinn kommen würden.  Ich fürchte, dass  dahinter böse Absichten stecken. Oh! Wie sehr ich mir wünschte, wenn er mir die gleiche Ehrlichkeit entgegenbrächte,  mit der ich ihn  ansprechen würde! [6]

[1] Melanchthons  Brief an  Joachim vom Berge (1526.-1602.) iz 1557.: "Fuit mihi dulcis et amicitia et familiaritas cum Illyrico." Vgl. Wilhelm Preger in Matthias Flacius Illyricus und seine Zeit vol. I (Erlangen: Theodor Blässing, 1859 [Neuausgabe: Hildesheim: Georg Olms i Nieuwkoop: B. de Graaf, 1964]), 24.

[2] Corpus Reformatorum (im folgenden Text CR) 6, u Philipp Melanchthon, Opera quae Supersunt Omnia. Carolus Gottlieb Bretschneider (prir.), I-XXVIII (Halle/Braunschweig: Schwetschke, 1834-1860), 286 - Nr. 3622 [MBW 4: 446 - Nr. 4456]: "Venit autem istuc M. Illyr. vir doctus, qui Epiphanium illum Salaminium pentaglwtton vincit, non solum cognitione linguarum, sed etiam rerum scientia."

[3] Matthias Flacius Illyricus, De Vocabulo Fidei Et Aliis Quibusdam Vocabulis, Explicatio vera & utilis, sum[p]ta ex fontibus Ebraicis. Scripta a Matthia Flacio Illyrico. Cum praefatione Phil[ippi] Mel[anchthonis]. Abacuc 2. (Wittenberg: Vitum Creucer [Veit Kreutzer], 1549).

[4] CR 7, 345-349; vgl. dazu auch  Melanchthons Briefwechsel (MBW) 5, 437-438 - Nr. 5466.

[5] Vgl. Melanchthons  Brief an  Georg Fabricius in  Meissen, geschrieben in  Wittenberg am 23. August 1549, in CR 7, 449; vgl. auch  MBW 5, 507 - Nr. 5612. Im Brief  schreibt Melanchthon für Flacius, er sei «Slavus drapethV». Melanchthon hat absichtlich das Wort  Slavus statt sclavus-a gebraucht. Eigentlich nannte er Flacius  einen geflüchteten Sklaven (wie  Onesimus im Brief des  hl. Apostels an Philemon im Neuen Testament), obwohl  er ihn im Brief einen  «geflüchteten Slaven» hieß.  An anderen Stellen  in diesem Brief behauptete Melanchthon sogar, Flacius  sei eine Viper  und  ein hilfsloser Ausländer.»

 [6] Melanchthons Brief an  Hubert Languet, 15. Juli  1556  in CR 8, 797-799 - No. 6051. Zitiert in Karl Friedrich Ledderhose [übersetzt von  G.F. Krotel], The Life of Philip Melanchthon (Philadelphia: Lindsay & Blackiston, 1885), 290.