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Reformation in Westeuropa - Anfang der Reformation
(Eisleben, 10. November 1483 – Eisleben, 18. Februar 1546)
Martin LutherVater der deutschen Reformation, Theologieprofessor und Geistesführer. Er besuchte die Lateinschulen in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach. Im Alter von siebzehn Jahren begann er sein Studium an der Universität in Erfurt, wo er 1505 seinen Magistergrad erwarb.  Im gleichen Jahr trat er dem Augustinerorden bei, legte das Mönchsgelübde ab und begann sein Mönchsleben im Kloster. 1512 wurde Luther Doktor der Theologie und erhielt die Professur  an der neugegründeten Universität in Wittenberg.
Ende 1516 setzte sich Luther der Lehre vom Ablass entgegen, die mit dem  Sakrament der Buße verbunden war. Der Handel mit Ablassbriefen, den die Katholische Kirche in Deutschland praktizierte, um Beiträge für den Bau des Petersdoms in Rom zu sammeln, war Luthers Überzeugungen völlig zuwider. Sein innerer Kampf (Anfechtung, tentatio) gegen die Sünde und gegen den Zorn Gottes regte ihn dazu an, die Lösung dieser religiösen Grundprobleme in der Heiligen Schrift zu suchen. Nach intensivem Studium der heiligen Texte kam er zur Erkenntnis, der Mensch erlange Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, die dem Menschen durch den Glauben gegeben wird (sola fide), und nicht als Lohn für gute Taten. Diese grundlegende Wahrheit erwies sich als Motivation für Luthers Theologie,  und sie war für ihn der Anlass, die Reform der Kirche zu fordern.
Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine 95 Thesen ans Hauptportal  der Schloßkirche in Wittenberg an. Dieses Ereignis gilt heute als Beginn der protestantischen Reformation und wird weltweit als Gedenktag der Reformation gefeiert. 
Im Jahre 1521 wurde Luther von der Katholischen Kirche endgültig exkommuniziert. Im Jahre 1525 heiratete er Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder hatte. Luthers  Bibelübersetzung machte biblische Inhalte auch dem einfachen Volk zugänglich. Seine zahlreichen Predigten, Bibelkommentare, Hymnen, Vorlesungen und Katechismen wurden im Laufe seines Lebens gedruckt und haben seitdem viele Ausgaben erlebt.

Luther und Matthias Flacius

Flacius kam im Jahre 1541 nach Wittenberg, um sein Magisterstudium der Theologie zu beginnen. Das Leben des jungen Matthias war auf seine Studierstube, Schule und Kirche begrenzt.  Er widmete sich intensiv seinen ernsten Forschungen und  der akademischen Arbeit.  In Wittenberg  galt er als  ein einsamer  junger Mann,  der  immer freundlich  und hilfsbereit gegenüber seinen Kollegen  war.
In seinem autobiographischen Werk  Apologia beschreibt Flacius  was passiert ist, als er  sich mitten in einer tiefen persönlichen Krise von Angesicht zu Angesicht mit Luther getroffen hatte:  

Am Ende meines dritten Jahres,  als ich bei Friedrich Backofen in Wittenberg wohnte, der damals Kaplan der Kirche war,  fühlte ich mich sehr schlecht und war fest davon überzeugt, ich werde bald sterben. Mein Hauswirt hat bemerkt, dass ich wegen meiner Seelenkrise nicht  lernen konnte. Er wandte all seine Überredungskunst an, um mich  dazu zu  bringen, ihm  mein Herz  zu öffnen,  so dass ich mich endlich über meinen Kummer aussprach  (bis ich mein ganzes Herz ausschüttete). Er  hat mich durch  seine Ratschläge und  durch sein Gebet  gestärkt,  und es gelang ihm sogar,  Doktor Pomeranus  [Dr. Johannes Bugenhagen (1485 -1558), der Priester in der Stadt und Professor an der Wittenberger Universität war] zu überreden,  mich zum Doktor Marthin Luther zu führen. Dieser  tröstete mich  durch  seine Erfahrung und las mit mir  zusammen  aus der Bibel,  und als  die  Mitglieder der Kirchengemeinde  [der Wittenberger Kirche der  Heiligen Maria]  für  mich  beteten,  wurden  meine Seelenqualen  von Tag zu Tag  kleiner,  so  dass ich mich nach  einem Jahr wieder gut  fühlte. (Flacius, Apologia, 1549).

Als es zu diesem Zusammentreffen mit Luther kam,  lebte der junge Flacius schon  drei Jahre in Wittenberg, weit weg von seinem geliebten  Istrien,   studierte  tüchtig  Deutsch und fing  langsam  an,  sich an  das ganz andere Kulturklima  zu  gewöhnen. Er  hatte viele Zweifel  bezüglich des  neuen lutherischen Glaubens, aber da er  seine  Gedanken mit niemandem  teilte,  wuchs seine Enttäuschung allmählich. Er  kämpfte  kräftig  gegen das Gefühl  der  eigenen Sündhaftigkeit, wurde depressiv und war dem Selbstmord nahe. Er dachte, Gott sei  zornig auf  ihn  wegen seiner Sünde. Die Begegnung mit Gott,  die Flacius  inmitten seiner Seelennöte erlebt hat, erinnert an  die  persönliche Erfahrung Luthers.
Flacius  dachte ständig  an den Tod und spürte schmerzlich den Zorn Gottes.  Gleichzeitig erfuhr  er auch die Macht des Teufels in seinem Leben. In einem solchen Seelenzustand  traf  Flacius sich mit  Luther, in dem er einen Seinesgleichen  erkannte,  der mit  all seinen menschlichen Zweifeln und  Ängsten längst nicht so entschieden war, wie  er  dem Flacius von der Kanzel herab  oder in der Studierstube erschien.  Was Flacius an Luther am meisten bewunderte,  war die Einfachkeit seines Glaubens und sein  Wunsch, anderen  behilflich zu sein.  Luther gab ihm das  Beispiel  einer gelebten  Seelsorge.  Nach  der Begegnung mit Luther fühlte sich  Flacius besser und bekam  mehr Selbstbewußtsein.  Obwohl  sein  Selbstwertgefühl  durch  Luthers Unterstützung  gestärkt wurde, griff Flacius im Laufe seiner theologischen Karriere immer  wieder  auf das Thema der menschlichen Sündennatur zurück,  wobei er seine Auffassung von der  Sündendoktrin allmählich änderte.
Später sagte Flacius,  das persönliche Gespräch mit  Luther  habe ihn völlig verändert: vielleicht sei es  für  ihn  sogar die entscheidende Erfahrung gewesen.  Luther  selbst  schrieb in  einem Empfehlungsbrief aus dem Jahre 1543  sehr positiv  über  Flacius: «Ein Mann guten Glaubens, der mir gut bekannt ist» (Preger, 1964, 1: 24).
1544 erhielt Flacius die Professur der hebräischen Sprache an der Philosophischen Fakultät in Wittenberg. Ein Jahr später, im November 1545, heiratete er, und  die  Tatsache, dass Luther bei seiner Hochzeit persönlich anwesend war, bedeutete ihm sehr viel: dadurch erhielt er  vielfältige Anerkennung und  Achtung.  Seitdem  fühlte sich Flacius vom  wichtigsten Mann in der Stadt beschützt.  Unglücklicherweise starb Luther  nur vier Monate nach  Flacius' Hochzeit, und zwar am 25. Februar 1546.  Acht Tage nach Luthers Tod  promovierte  Flacius zum Magister als  bester  Student seiner  Klasse  mit 39 Studenten.
Anfang 1549 begann Flacius, Luthers Werke herauszugeben, mit dem Ziel,  das theologische Erbe Luthers  zu erhalten.  Der zweite Grund liegt in der Verleugnung der  theologischen Gegner Flacius'.  
In Jena arbeitete Flacius  mit Johannes Aurifaber (1519-1575)  an der Herausgabe der gesammelten Werke Luthers zusammen (zur gleichen Zeit beschäftigten sich in Wittenberg auch andere damit). Außerdem druckte er einen Überblick über die Lehre Luthers von der   Sünde  in zwei Bänden. Der erste Band  erschien  1560, und der  zweite 1574,  ein Jahr vor Flacius' Tod.

Flacius  beharrte darauf, die reine lutherische Lehre von der Sündennatur  des Menschen, wie  er sie verstand,  zu verteidigen. Die Tatsache, dass  Flacius in seinen theologischen Werken so oft  Luther zitierte,  weist darauf hin, dass er  die Legitimation seiner eigenen Theologie erreichen wollte.  Wenn man jedoch die Tatsachen berücksichtigt, dass Flacius einige Werke  Luthers  drucken ließ, und dass er so  kräftig gegen diejenigen kämpfte, die  sich  seiner  Meinung nach von  Luthers Auffassung  (von der Erbsünde  und vom unfreien Willen)  entfernt haben,  dann kommt man dazu, dass Flacius seiner  persönlichen Interpretation  von  Luther  treu bleiben wollte.