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Reformation in Westeuropa - Die zweite Generation von protestantischen Reformatoren

(18. Juli 1504 – 17. September 1575)

Heinrich BullingerTheologe, Zwinglis Nachfolger als Priester am  Grossmünster in Zürich, Hauptautor der Confessio Helvetica. Die zweite Version des Helvetischen Bekenntnisses wurde später von mehreren reformierten (kalvinistischen) Kirchen übernommen.
Bullinger und Matthias Flacius hatten unterschiedliche theologische Überzeugungen, insbesondere bezüglich des Abendmahls, aber sie trafen sich nie persönlich. Bullinger  stand im Briefwechsel mit  vielen angesehenen politischen und theologischen Persönlichkeiten seiner Zeit, einschließlich  Primus Truber und  Peter Paul Vergerius.

Bullinger und  Flacius
Zwischen Bullinger und Matthias Flacius gab es keinen Briefwechsel.  Sie nahmen entgegengesetzte theologische Einstellungen  ein,  insbesondere bezüglich der Lehre über das heilige Abendmahl und sie  betrachteten einander als Rivalen.  Bullinger befolgte mit großem Interesse den Konflikt innerhalb der lutherischen Kirche, zwischen Flacius und seinen Mitstreitern einerseits (orthodoxe oder Gnesio-[echte] Lutheraner genannt)  und Melanchthon und  seinen Anhängern andererseits.
Gegen Ende 1561 wurde Flacius wegen seiner Lehre über die Erbsünde von der Universität in Jena  vertrieben; infolgedessen wurde er Flüchtling.  

Im Laufe der Kontroverse an der Universität  bekam Bullinger vom flämischen Professor Andreas  Hyperius (1511.-1564.)   regelmäßig  Berichte über die geführten Erörterungen  und Fragen. Als Primus Truber  im Juli 1556  Slowenien verlassen musste, wurde sein Nachfolger im Amt des Superintendenten  Sebastian Krell (1538.-1567.), Flacius' Student in Jena. Zu dieser Zeit schien es, als ob sich die Reformation in Slowenien dem ortodoxen Luthertum  zugewandt hätte, dessen Vertreter Flacius war. Bullinger war angesichts dieser Möglichkeit sehr aufgeregt.
1565  veröffentlichte Flacius ein hermeneutisches und grammatisches Buch, in dem er dreißig Gründe nannte, weshalb die Anwesenheit Christi in der Eucharistie durch Christi Leib und Blut  verteilt wird.   Bald nach der Veröffentlichung des Buches  schrieb Bullinger an Theodor Beza (1519-1605, Calvins Nachfolger in Genf) und bat ihn, eine  Anwort auf Flacius' Buch  zu schreiben. Da Beza es aber nicht sofort getan hatte, schrieb ihm Bullinger nach drei Wochen wieder und forderte ihn auf, diese Antwort  zu schreiben.  Beza tat es erst  im darauffolgenden Jahr, als er eine gründliche Widerlegung der Thesen von Flacius  schrieb.  Es ist interessant, das Bullinger  nicht direkt gegen Flacius schreiben wollte,  sondern erwartet, dass die Kritik  aus Genf  kommt.
Bullinger musste wohl Erleichterung gefühlt  haben, als 1566 die Stadt Regensburg auf Andringen des Kaisers Maximilian II.   Flacius  das Asyl  verweigerte.

Bullinger und  Trubar
Von allen Briefen aus dem Briefwechsel zwischen Bullinger und Primus Truber  sind  fünf Briefe erhalten geblieben:  fünf Briefe Trubers an Bullinger und ein Brief Bullingers an Truber.
Truber begann, Briefe mit Bullinger auszutauschen, nachdem sein Plan von der Veröffentlichung des Neuen Testaments in slowenischer Sprache beim Zürcher Drucker Gessner gescheitert  war. In seinem Brief  an Bullinger  bat Truber den Letzteren, im Konflikt mit Gessner zu intervenieren. Obwohl  Bullinger zu dieser Zeit  schon keine gute Meinung  von den  Lutheranern hatte,  schrieb er trotzdem an Truber, und  so  fing  ihre langjährige Korrespondenz an.
Truber benachrichtigte Bullinger davon, dass er sein Kommentar zum Evangelium nach Johannes für das Vorwort seiner Übersetzung des Neuen Testaments in slowenischer Sprache  benutzt hatte. Bullingers Bibelkommentare benutzte er als Quelle für seine Predigten in der Kirche. Sie tauschten auch theologische Werke  und Predigten aus, wobei  Bullinger  Trubers Aufmerksamkeit allmählich auf die Bücher der schweizerischen Reformatoren  lenkte.
Oskar Sakrausky behauptet «Bullingers Einfluss auf die theologischen Einstellungen Trubers zeigte sich zuerst in seiner Lehre von der Eucharistie.»   Ein paar Jahre später wurde Truber vom Württemberger Superintendenten Jacob Andreae (1528-1590) bezüglich seiner   Abendmahlsauffassung  des «Zwinglianismus» bezichtigt.  Das ist ein Beweis dafür, dass Bullinger in dieser Frage einen bedeutenden Einfluss auf Truber hatte.
Bullinger interessierte sich für  politische und kirchliche Ereignisse auf dem Gebiet südlich von Österreich, sowie für türkische Einfälle, so dass er  Truber  bat,  ihm davon  regelmäßig Nachrichten zu übermitteln.

Bullinger und Vergerius
 
Peter Paul Vergerius  der Jüngere und  Bullinger tauschten  152 Briefe aus,  die zwischen 1549 und 1564 an 18 verschiedenen Orten geschrieben wurden.    In seinen frühen Briefen an Bullinger äußerte Vergerius  seinen Wunsch aus,  das Neue Testament in slowenischer Sprache zu drucken, und  forderte indirekt die finanzielle Unterstützung  aus Zürich.   Als Truber «Ta evangeli sv. Matevža» herausgab,  schickte Vergerius ein Exemplar mit persönlicher Widmung an Bullinger. 
 
Vergerius verstand ein bisschen Slowenisch und Kroatisch und wollte bei der Herausgabe der Bücher in slawischen Sprachen helfen. Er unterstützte den Druck der ersten vier Bücher in slowenischer Sprache (drei davon waren von Truber, eines von Vergerius). Es waren die ersten  Bücher, die in slowenischer Sprache und in lateinischer Schrift  gedruckt  wurden.

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[1] Gerhard Krause, Andreas Gerhard Hyperius: Briefe: 1530-1563. Beiträge zur historischen Theologie 64 (Tübingen: J.C.B. Mohr, 1981), vgl. Briefe Nr.  31, 35, 57 i 65.

[2] Des Demonstrationes evidentissimae XXX. Praesentiae, distributionisque corporis ac sanguinis Christi in sacra coena hactenus multis minus cognitae (Ober Ursel en Prusse : Ursellis, 1565).

[3] Vgl. Bullingers Brief an Beza  31.5.1565. u Correspondence de Théodore de Beze, Tome VI, Henri Meylan, Alain Durfour & Alexandre de Hensler, Serie: Travaux d'Humansime et Renaissance (Geneve: Libraire Droz, 1970), 95 und der Brief vom  20.6.1565  auf der Seite  404.

[4] Vgl. Luka Ilić, "Matthias Flacius - An Underrated Slavic Reformer," Perichoresis (2004): 109-116, hier 115.

[5] Mirko Rupel hat  noch drei Briefe rekonstruiert, aufgrund der sechs  erhaltenen Briefe.  Vgl. "Zum Briefwechsel  Truber-Bullinger," Slavistična revija 3 (1950), 149-156. Alle diese Briefe werden im Zürcher Archiv aufbewahrt. Die neueste kritische Ausgabe der Briefe Trubers hat Jože Rajhman vorbereitet, Briefe von Primus Truber  (Leibach: Slowenische Akademie der Wissenschaft und Künste, 1986.). Rajhman veröffentlicht  24 Briefe mehr als Theodor Elze, dessen Ausgabe bis damals die Standardausgabe war. Rajhmans Werk basiert auf  Werken von Mirko Rupel, Branko Berčić und  Oskar Sakrausky (alle haben  noch einige Briefe veröffentlich, nachdem  Elze  1897  sein Buch veröffentlicht hatte).


[6] Oskar Sakrausky, "Theologische Einflüsse Bullingers bei Primus Trubar," in Ulrich Gäbler und Erlaud Herkenrath, Heinrich Bullinger 1504-1575: Gesammelte Aufsätze zum 400. Todestag, Band 2 (Zürich: Theologischer Verlag, 1975), 177-195, hier 185.  Vgl. auch Luka Ilić, "Bullingers Einfluss auf die slowenische Reformation", Stati inu obstati. Zeitschrift für Fragen des Protestantismus 1-2 (2005): 72-81.

[7]  Vgl. Emidio Campi, "Peter Paul  Vergerius und sein Briefwechsel mit Heinrich Bullinger,"  in  Sigrid Lekebusch und Hans-Georg Ulrichs (prir.), Historische Horizonte. Emder Beiträge zum reformierten Protestantismus 5 (Wuppertal: Foedus, 2002), 19-37, hier 22. 

[8] Mirko Rupel, "Druck der slowenischen Bücher in Vergerius' Briegfen an Bullinger," Slavistična revija 5-7 (1954), 238-245. In diesem Artikel veröffentlichte Rupel zwei  Briefe Vergerius' an Bullinger aus dem Jahr  1555.

[9]  Das Buch befindet sich in der Zürcher Zentralbibliothek unter Signatur Bibl 252