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Reformation in Westeuropa
Vorreformation PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Vorreformation

Im Laufe des 14. und  15. Jahrhunderts, in der Zeit der Renaissance, entstand eine breite  Kulturbewegung,  genannt Humanismus,   zunächst in  Italien, und dann im ganzen Europa. Unter dem Begriff Studia humanitates   verstand man die Notwendigkeit,  beim Erwerb von Wissen und Erkenntnissen auf die griechische und römische Antike zurückzugreifen,  im  Gegensatz zu den mittelalterlichen Autoritäten  und Kanonen. 


Die revolutionäre Erfindung der  Druckerpresse  durch Gutenberg  ermöglichte eine schnellere Verbreitung von  Informationen, was  jedenfalls auch die damaligen  See-Entdeckungen  neuer Länder  beschleunigte. In den entwickelten Teilen Europas wurde  das Konzept der  feudalen  Gesellschaft allmählig  verlassen,  und  für die   Religionskrise  wurde eine Lösung  in der  Teilung  desselben  Europas in  eine Menge unterschiedlicher Glauben und Kirchen gefunden. Desweiteren wurde ein fruchbarer  Boden für  die Überprüfung,  ja sogar für den  Bruch mit bestimmten  festgesetzten  jahrhundertealten Traditionen (katholische Kirche)  und  für  die Verbreitung der reformatorischen  Ideen und  protestantischen Bestrebungen  geschaffen.

 

 
Martin Luther PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Anfang der Reformation
(Eisleben, 10. November 1483 – Eisleben, 18. Februar 1546)
Martin LutherVater der deutschen Reformation, Theologieprofessor und Geistesführer. Er besuchte die Lateinschulen in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach. Im Alter von siebzehn Jahren begann er sein Studium an der Universität in Erfurt, wo er 1505 seinen Magistergrad erwarb.  Im gleichen Jahr trat er dem Augustinerorden bei, legte das Mönchsgelübde ab und begann sein Mönchsleben im Kloster. 1512 wurde Luther Doktor der Theologie und erhielt die Professur  an der neugegründeten Universität in Wittenberg.
Ende 1516 setzte sich Luther der Lehre vom Ablass entgegen, die mit dem  Sakrament der Buße verbunden war. Der Handel mit Ablassbriefen, den die Katholische Kirche in Deutschland praktizierte, um Beiträge für den Bau des Petersdoms in Rom zu sammeln, war Luthers Überzeugungen völlig zuwider. Sein innerer Kampf (Anfechtung, tentatio) gegen die Sünde und gegen den Zorn Gottes regte ihn dazu an, die Lösung dieser religiösen Grundprobleme in der Heiligen Schrift zu suchen. Nach intensivem Studium der heiligen Texte kam er zur Erkenntnis, der Mensch erlange Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, die dem Menschen durch den Glauben gegeben wird (sola fide), und nicht als Lohn für gute Taten. Diese grundlegende Wahrheit erwies sich als Motivation für Luthers Theologie,  und sie war für ihn der Anlass, die Reform der Kirche zu fordern.
Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine 95 Thesen ans Hauptportal  der Schloßkirche in Wittenberg an. Dieses Ereignis gilt heute als Beginn der protestantischen Reformation und wird weltweit als Gedenktag der Reformation gefeiert. 
Im Jahre 1521 wurde Luther von der Katholischen Kirche endgültig exkommuniziert. Im Jahre 1525 heiratete er Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder hatte. Luthers  Bibelübersetzung machte biblische Inhalte auch dem einfachen Volk zugänglich. Seine zahlreichen Predigten, Bibelkommentare, Hymnen, Vorlesungen und Katechismen wurden im Laufe seines Lebens gedruckt und haben seitdem viele Ausgaben erlebt.
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Ulrich (Huldrych) Zwingli PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Anfang der Reformation

(Wildhaus, 1. Januar 1484 – Kappel, 11. Oktober 1531)

Ulrich ZwingliZwingli  war Begründer der Reformation  in der Schweiz. Während seines Studiums in Wien und  Basel  war er stark vom Humanismus beeinflusst. Ab  1519 war Zwingli  Priester am Grossmünster  in Zürich und  damals begann  er,  die Reformen der Katholischen Kirche zu propagieren.  Er kritisierte das Fastengebot, das Heiratsverbot für Priester und die  Benutzung von Bildern in der Kirche. Im Jahre 1523  nahm die Stadt  Zürich Zwinglis Reformen an und wurde dadurch zum Zentrum der Reformation in der Schweiz.
Zwingli geriet später in heftigen Konflikt mit Anabaptisten (eine der radikalen reformatorischen Gruppen)   und  trat Luthers Interpretation von der Eucharistie entgegen.  Er fiel in einer Schlacht gegen bewaffnete Truppen der katholischen Kantone, die seine kirchlichen Reformen nicht annehmen wollten. Zwinglis Einfluss auf die Theologie,  Liturgie und Konfessionen  hinterließ tiefe Spuren  bei  mehreren  protestantischen Gruppen.
Sein Nachfolger in Zürich  war Heinrich Bullinger,  der in regem Briefwechsel mit  mehreren  protestantischen Reformatoren stand,  darunter auch mit  Primus Truber  und  Peter Paul  Vergerius.

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Philipp (Schwarzerd) Melanchthon PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Die zweite Generation von protestantischen Reformatoren
(Bretten, 16 Februar 1497  – Wittenberg, 19. April 1560)
Deutscher Humanist, Theologe und Professor an der Universität in Wittenberg. Der bedeutendste Mitarbeiter Luthers und sein inoffizieller Nachfolger. Wegen seiner Werke war er als Praeceptor Germaniae (Lehrmeister Deutschlands) bekannt. Autor der Augsburger Konfession (Confessio Augustana), die von der evangelisch-lutherischen Kirche offiziell als Glaubensbekenntnis angenommen wurde. Er schrieb auch das Werk Loci Communes, die erste systematische Darstellung der reformatorischen Theologie.
Melanchthon war  Flacius' Lehrer, Freund und Mäzen. Nach dem Augsburger und Leipziger Interim   begann  Flacius, ihn öffentlich  zu kritisieren,  weil ihre Einstellungen zu den  Adiaphora (nicht glaubensentscheidende Dinge) im kirchlichen Leben  unterschiedlich waren.
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Johannes (Jean) Calvin PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Die zweite Generation von protestantischen Reformatoren

(Noyon, Frankreich, 10. Juni 1509  –  Genf,  27. Mai 1564)

Jean CalvinReformierter Theologe, Begründer des  Calvinismus. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Genf. Im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts breitete sich  Calvins Theologie  aus der Schweiz nach Frankreich, Schottland, Deutschland, Polen, Ungarn und Kroatien  aus.
Calvins opus magnum ist sein Werk  Institutio christianae religionis (der Unterricht in der christlichen Religion), das mehrere Ausgaben erlebt hat   und  das zum Standardwerk auf dem Gebiet der Theologie geworden ist. Calvins Rolle in der Verbrennung des Antitrinitariers  Michael Servetus auf dem Scheiterhaufen in Genf 1553 warf einen Schatten auf seinen  sonst  respektablen  theologischen  Nachlass. 

Calvin und Flacius
Calvin und  Flacius lernten sich nie persönlich kennen. Obwohl  sie sich in  den zentralen theologischen Fragen  nicht einig waren, fragte  Flacius ihn trotzdem  um Rat  bezüglich  der Pläne für sein monumentales Werk  Magdeburger Centurien. Flacius lernte Calvin durch Vermittlung von Caspar von Nydbruck (1523-1557) kennen, der zu dieser Zeit  Bibliothekar und kaiserlicher Rat am Hofe Maximilians II.  in Wien war. Er war Anhänger der Reformation und kannte viele Vertreter verschiedener protestantischer Gruppen in Deutschland und in der Schweiz.  Calvins Antwort kam jedoch zu spät (1557), als die Texte für die  ersten drei Jahrhunderte schon gedruckt  waren.

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Heinrich Bullinger PDF Drucken E-Mail
Reformation in Westeuropa - Die zweite Generation von protestantischen Reformatoren

(18. Juli 1504 – 17. September 1575)

Heinrich BullingerTheologe, Zwinglis Nachfolger als Priester am  Grossmünster in Zürich, Hauptautor der Confessio Helvetica. Die zweite Version des Helvetischen Bekenntnisses wurde später von mehreren reformierten (kalvinistischen) Kirchen übernommen.
Bullinger und Matthias Flacius hatten unterschiedliche theologische Überzeugungen, insbesondere bezüglich des Abendmahls, aber sie trafen sich nie persönlich. Bullinger  stand im Briefwechsel mit  vielen angesehenen politischen und theologischen Persönlichkeiten seiner Zeit, einschließlich  Primus Truber und  Peter Paul Vergerius.

Bullinger und  Flacius
Zwischen Bullinger und Matthias Flacius gab es keinen Briefwechsel.  Sie nahmen entgegengesetzte theologische Einstellungen  ein,  insbesondere bezüglich der Lehre über das heilige Abendmahl und sie  betrachteten einander als Rivalen.  Bullinger befolgte mit großem Interesse den Konflikt innerhalb der lutherischen Kirche, zwischen Flacius und seinen Mitstreitern einerseits (orthodoxe oder Gnesio-[echte] Lutheraner genannt)  und Melanchthon und  seinen Anhängern andererseits.
Gegen Ende 1561 wurde Flacius wegen seiner Lehre über die Erbsünde von der Universität in Jena  vertrieben; infolgedessen wurde er Flüchtling.  

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